Russland

Präsidentenberater Medinski beklagt zu viele "Königsberg-Motive" in Kaliningrad

Anlässlich des Baltischen Kulturforums äußerte sich der hochrangige russische Politiker Wladimir Medinski zum Umgang mit der deutschen Vergangenheit Kaliningrads. Er stellte einen Trend zur Rückkehr deutscher Toponymie fest und forderte dazu auf, künftig auf deutsche Benennungen und Heraldik zu verzichten.
Präsidentenberater Medinski beklagt zu viele "Königsberg-Motive" in Kaliningrad© Urheberrechtlich geschützt

Vom 16. bis zum 18. April findet in der Oblast Kaliningrad das Baltische Kulturforum 2026 mit prominenten Gästen statt. Eingeladen ist auch der Vorsitzende der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft, Wladimir Medinski. Früher leitete er mehrere Jahre das Kulturministerium. In seiner Eigenschaft als Berater des russischen Präsidenten leitete Medinski die Verhandlungen mit der Ukraine in den Jahren 2022, 2025 und 2026. Seine geschichtspolitischen Äußerungen zur Behandlung der deutschen Vergangenheit im Kaliningrader Gebiet lassen aufhorchen.

Medinski bezeichnete es als fragwürdig, dass viele Ortschaften in der Oblast die alten deutschen Wappen fortführen. Der Schriftsteller und studierte Diplomat nannte als Beispiele die Städte Baltijsk und Tschernjachowsk. Ein besonders krasser Fall sei das Wappen von Bagrationowsk, das sogar die alten Deutschordenskreuze aufweise.

Kreuze sind im russischen Bewusstsein stark behaftet und wecken Erinnerungen an deutsche Invasionen – von den Überfällen des Deutschen Ordens auf die Handelsrepubliken Pskow und Nowgorod im Zuge der nordischen Kreuzzüge im 13. Jahrhundert bis zu Hitlers Vernichtungskrieg mit einer ähnlich anmutenden Symbolik.

Darauf spielte Medinski offenbar an, als er mit fast schon sardonischem Humor anmerkte, man solle in Kaliningrad eine Ausstellung mit zerstörtem deutschen Militärgerät organisieren: "Denn die Teutonenkreuze passen viel besser auf ausgebrannte Panzer als auf die Wappen unserer russischen Städte", sagte er in Anspielung auf die von der Wehrmacht verwendeten Balkenkreuze.

In Bezug auf kulinarische Benennungen machte Medinski zwei Ausnahmen: "Ich sage nicht, dass man die große deutsche Kultur des großen deutschen Volkes ausrotten sollte." Da es aus touristischer Sicht vorteilhaft sei, sollte man Marzipan sicherlich nicht nach russischer Art umbenennen. "Aber warum heißt der Cognac 'Alt-Königsberg'?", fragte Medinski.

Eine ähnliche Situation lässt sich seiner Einschätzung nach auch in der städtischen Toponymie beobachten. "Theodor-Krone-Park, Max-Aschmann-Park. Übrigens hatten diese Parks früher russische Namen, doch dann kam es gewissermaßen zu einer erneuten Umbenennung, und diese ausländischen Namen tauchten auf und ersetzten die seit Jahrzehnten bestehenden russischen Bezeichnungen", stellte der Präsidentenberater fest. Er wies darauf hin, dass die deutschen Bezeichnungen heute sogar auf den Websites lokaler Behörden und staatlicher Einrichtungen verwendet werden. "Auch im Alltag sind Motive aus Königsberg reichlich vorhanden."

Historische Rückblenden auf das einstige Königsberg sollten Sache wissenschaftlicher Experten bleiben und nicht in das öffentliche Bewusstsein vordringen, etwa indem lokale Behörden deutsche Namen verwenden oder durch die Präsenz von "Königsberg-Motiven" im Alltag. Mit einer Metapher unterstrich der Experte für historische Fragen die Bedeutung des Themas: "Denn Worte haben Gewicht. Wie man ein Schiff nennt, so wird es auch fahren." Man habe sich 1946 bewusst für die Umbenennung der Stadt entschieden.

Das russische Kaliningrad sei praktisch von Grund auf neu aufgebaut worden und habe nie zu Deutschland gehört. Eine übermäßige Betonung der deutschen Vergangenheit dürfe die öffentliche Wahrnehmung der Stadt nicht prägen: "Kaliningrad war russisch und wird für immer russisch bleiben", betonte der Gast aus Moskau, der im Westen vor allem als Leiter der russischen Delegation bei den Istanbuler Verhandlungen mit der Ukraine bekannt geworden ist.

Anlässlich des 80. Jahrestags der Aufnahme des damals, im April 1946 noch "Königsberg" genannten Gebiets ermutigte Medinski die Anwesenden, der Ausstellung von Museumsexponaten, die die Eroberung des deutschen Königsbergs durch sowjetische Truppen symbolisieren, mehr Raum zu geben. Dazu passt, dass Medinski für die geplante Restaurierung des Wrangelturms eine Inbesitznahme durch die Russische Militärhistorische Gesellschaft und eine Zweigstelle des Russischen Schriftstellerverbands vorsieht – dort, wo einst die Bronzestatue des "Deutschen Michels" als Symbolfigur des typisch Deutschen gestanden hatte.

Shitstorm gegen die russische Botschaft

In den sozialen Medien ist das Thema der Zugehörigkeit des einstigen Königsbergs ein Dauertrigger. Noch bleibt es ein Milieu-Phänomen. Aber auch im breiteren medialen Kontext ist man sichtlich bemüht, durch die Betonung der tatsächlichen Leiden der deutschen Zivilbevölkerung Königsbergs am Ende des Krieges sowie der Traumata der Vertriebenen den russischen historischen Anspruch auf Kaliningrad zunehmend in Frage zu stellen.

Insbesondere auf X heizt sich die Debatte zusehends auf: Anlässlich eines Posts der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin zum Gedenken an die Einnahme Königsbergs durch die Rote Armee vor nunmehr 81 Jahren kam es zu einem Sturm der Entrüstung auf X und Facebook. Viele Kommentare aus dem deutschsprachigen Raum machten überdeutlich, dass Russland als Besatzer Königsbergs betrachtet wird. Auch AfD-Politiker taten sich beim öffentlichen Aufschrei hervor. Es wurden Forderungen laut, den russischen Botschafter ins Auswärtige Amt zu bestellen.

Russische Offizielle bemühen sich vor dem Hintergrund dieser Debatten sichtlich, einen Schlussstrich unter das Thema "deutsches Königsberg" zu ziehen. Medinski äußerte seine Forderungen zu einer Zeit, in der sich die Kaliningrad-Frage auch militärisch und geopolitisch wieder zuspitzt. Die Bundeswehr ist in Form der Panzerbrigade 45 im benachbarten Litauen stationiert, und im vergangenen Sommer hatte General Christopher Donahue, der Kommandeur der US-Armee in Europa und Afrika, auf einer Konferenz über eine militärische Neutralisierung und Einnahme der russischen Exklave spekuliert.

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