Russland

Sterbliche Überreste von NS-Opfern bei Twer aufgefunden

Die Ermittlungen russischer Behörden bezüglich der NS-Massenmorde auf dem Boden der Sowjetunion werden auch über 80 Jahre nach dem Ende der Hitler-Diktatur weitergeführt. Fast täglich gibt der russische Boden Mordopfer preis, die die NS-Täter der Vergessenheit anheimgeben wollten.
Sterbliche Überreste von NS-Opfern bei Twer aufgefunden© SU SK RF po Twerskoj Oblast/Telegram

Im zentralrussischen, zwischen St. Petersburg und Moskau gelegenen Gebiet Twer konnten Ermittler kürzlich die Gebeine von 19 Menschen bergen, die von den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg ermordet worden waren.

Wie die Ermittlungsbehörde des Untersuchungsausschusses der Russischen Föderation für die Region Twer auf ihrem Telegram-Kanal mitteilte, hatten im Dorf Buraschewo im Rajon Kalininski Ausgrabungen stattgefunden, bei denen die sterblichen Überreste aufgefunden wurden.

Russische Behörden führen die Ermittlungen bezüglich des Völkermords am sowjetischen Volk durch deutsche Truppen und ihre Helfershelfer auch über 80 Jahre nach Kriegsende noch fort. Bei dieser Arbeit treten immer neue, der Öffentlichkeit noch unbekannte NS-Verbrechen gegen sowjetische Zivilisten ans Licht.

Bei Ermittlungen und Archivrecherchen stellte die Hauptuntersuchungsabteilung des Untersuchungsausschusses Russlands fest, dass es im Jahr 1941 auf dem Areal einer psychiatrischen Klinik zu einem Massenmord an den Patienten gekommen war. Den vorliegenden Dokumenten zufolge waren allein innerhalb der Mauern der M.-P.-Litwinow-Klinik mehr als 1.500 Menschen Opfer nationalsozialistischer Verbrechen geworden.

Das Ende der dort untergebrachten Patienten war grausam: Manche von ihnen waren Opfer von Massenerschießungen geworden, anderen waren direkt in den Krankenzimmern tödliche Verletzungen zugefügt worden, wieder andere waren zu Tode gefoltert worden.

Auch das Verabreichen einer Überdosis an Betäubungsmitteln war eine beliebte Hinrichtungsmethode der NS-Verbrecher gewesen. Die Ermittler fanden auch Belege dafür, dass diejenigen Patienten, die nicht sofort an den ihnen verabreichten Mitteln gestorben waren, bei lebendigem Leib begraben worden waren.

Bei Grabungen auf dem Anstaltsgelände wurden die Forscher denn auch fündig. Derzeit finden medizinisch-kriminaltechnische Untersuchungen statt, anhand derer Alter, Geschlecht und – wenn möglich – Todesursache der Verstorbenen ermittelt werden sollen. Die Arbeiten sollen fortgesetzt werden.

Als Motiv nennen die Ermittler den Wunsch nach Herstellung historischer Gerechtigkeit und die Sammlung nach Belegen für den nationalsozialistischen Völkermord während der Besatzung, um dessen Bestreiten unmöglich zu machen.

Die Untersuchungen und Ausgrabungen führen Mitarbeiter der Hauptdirektion des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation und der Hauptdirektion für Kriminalistik (Kriminalistisches Zentrum) des Ermittlungsausschusses der Russischen Föderation unter direkter Beteiligung von Kriminalisten der Kriminalistikabteilung der Ermittlungsdirektion des Ermittlungsausschusses der Russischen Föderation für das Gebiet Twer sowie der Suchtrupps des Gebiets Twer "Gedächtnis der 6. Kompanie der Luftlandetruppen" und Witjaz durch.

Die nationalsozialistischen Verbrechen verdunkeln die eigentlich helle Geschichte des Ortes. Denn das Twerer Semstwo-Selbstverwaltungsgremium hatte im Jahr 1884 im Dorf Buraschewo die erste kolonieartige psychiatrische Einrichtung des Russischen Reiches einrichten lassen. Die vom bekannten Psychiater Michail Litwinow geleitete Anstalt hatte als europäisches Modellprojekt gegolten, weil Patienten dort ohne Zwangsmittel und statt dessen mithilfe von Arbeitstherapie behandelt worden waren.

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