
Rotgrüne Initiative: Ukrainisch soll in Hamburg Abiturfach werden

Am 14. Oktober tagt die Hamburger Bürgerschaft. Dann wollen die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter der Antragsnummer 5537 eine Beschlussvorlage zugunsten des Ukrainischen an Hamburger Schulen einbringen.
Ukrainisch soll nach dem Willen der beiden Hamburger Regierungsparteien Abiturprüfungsfach werden – erst im Stadtstaat an der Elbe, dann aber auch bundesweit anerkannt. Der Antrag hat Aussichten auf Erfolg, denn SPD und Grüne stellen mit 70 von 121 Sitzen die Mehrheit in der Bürgerschaft.

Beide Fraktionen veröffentlichten am Montag Pressemitteilungen zum Ukrainisch-Antrag. Ukrainisch konnte bereits bisher von den rund 5.500 in Hamburg lebenden und aus der Ukraine stammenden Schülern als herkunftssprachliches Unterrichtsangebot oder als reguläres Schulfach gewählt werden. Ein entsprechendes Angebot bestand bisher an neun Schulen mit insgesamt 19 Ukrainisch-Kursen, auch in der Oberstufe. Neun Lehrkräfte unterrichten das Fach an Hamburger Schulen. Nur als Abiturfach gibt es Ukrainisch bisher nicht.
Nach den Wünschen von Rot-Grün soll die Schulbehörde einen entsprechenden Rahmenplan erarbeiten. Auch auf eine Anerkennung als Abiturfach auf Bundesebene will man nach Angaben der Grünen und der SPD hinarbeiten. Auch gelte es, die Verfügbarkeit von ausreichend qualifizierten Lehrkräften sicherzustellen.
In den Pressemitteilungen ist von 5.550 ukrainisch-sprachigen Kindern und Jugendlichen an Hamburger Schulen die Rede, allerdings ist nicht klar, ob diese Datenangabe die tatsächliche Muttersprache der Minderjährigen wiedergibt oder lediglich auf ukrainischen Sprachkenntnissen und der Herkunft aus der Ukraine beruht.
Jedenfalls will der Antrag den ukrainischen Jugendlichen das Fortkommen im deutschen Bildungssystem erleichtern. Parica Partoshoar, die Sprecherin für Bildung, Migration und Integration der Hamburger Grünen-Fraktion, betont das Recht der Ukrainer auf die Bewahrung ihrer eigenen Sprache und Kultur. Durch Ukrainisch als Abiturfach bekämen die jungen Menschen faire Bildungschancen; auch werde ihr Selbstbewusstsein gestärkt.
Ähnlich sieht das Tom Hinzmann von der SPD, der Mitglied des Schulausschusses in der Hamburger Bürgerschaft fungiert: "Mehrsprachigkeit ist eine Stärke und gehört längst zum Alltag an Hamburgs Schulen. Viele ukrainische und ukrainischstämmige Schüler:innen sprechen Ukrainisch auf hohem Niveau und vertiefen ihre Sprachkenntnisse bereits im Unterricht." Es sei deshalb nur konsequent, Ukrainisch – wie viele andere Herkunftssprachen auch – in Hamburg als Abiturprüfungsfach anzubieten.
Damit würde Ukrainisch in Hamburg mit Russisch gleichziehen, das in der Hansestadt als Abiturprüfungsfach gewählt werden kann und an fünfzehn Schulen gelehrt wird. Hamburg ist Partnerstadt der russischen Metropole St. Petersburg. Wie viele der aus der Ukraine stammenden Hamburger Schüler bisher Russisch im Abitur wählten, bleibt unklar.
Durch die gerade von den Grünen und der SPD immer wieder propagierte und schließlich von der Bundesregierung durchgeführte Schließung des Russischen Hauses in Berlin ist erst kürzlich eine Fortbildungsmöglichkeit für deutsche Russisch-Lehrer weggefallen.
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