
Schlecht gefüllte Gasspeicher: Hoffen auf einen warmen Winter

Es ist eine Information, die eher im Verborgenen heißt: Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zu 41 Prozent gefüllt. Das ist weitaus weniger als in den Vorjahren. Selbst im Jahr 2018 war Ende Juni deutlich mehr Gas gespeichert als in diesem Jahr, und das ist im vergangenen Jahrzehnt das Jahr mit dem tiefsten Ausgangsstand Ende des Winters und der langsamsten Befüllung.
Allerdings – die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar. Nicht nur, weil der Gaspreis aktuell mit 12,23 Cent pro Kilowattstunde beim Doppelten liegt, was es im Jahr 2018 kostete. Auch weil mittlerweile Risiken bei der Gasversorgung bestehen, konnte der Mensch 2018 nicht einmal erahnen. Schließlich gab es damals noch eine sichere Basisversorgung für Pipelines aus Russland und keine Lieferungen von LNG für Schiffe, die auf einem Weltmarkt gesichert werden müssen, der auch andere Kunden hat.

Und in den letzten Stunden wurde sogar noch ein Risiko wieder aktiviert, das schon schnell gelöst schien. Erdgas aus Katar wird durch die Straße von Hormus transportiert, und die ist erneut vorerst geschlossen. Etwa 20 Prozent des weltweiten Angebots wurden von dort geliefert; Abnehmer waren traditionelle asiatische Länder. Allerdings suchen die selbstverständlich auf dem Weltmarkt Ersatz, und da dort besser bezahlt wird, gehen mittlerweile auch große Teile der US-LNG-Exporte nach Asien – ein Zustand, der bereits seit dem Frühjahr anhält.
Die Besitzer des Gasspeichers erklären zwar, dass Kapazitäten in Höhe von 76 Prozent der maximalen Füllmenge gebucht wurden, aber ob sie tatsächlich mit Gas gefüllt werden, ist damit noch nicht garantiert. Die Voraussetzungen sind jedenfalls so schlecht, wie sie es noch nie waren. Ursprünglich lag der Anreiz für die Gasversorger, die Speicher zu füllen, darin, dass Erdgas im Sommer günstiger zu haben war und sie dann mit der Preisdifferenz zum Winter zusätzliche Gewinne erzielen konnten. Seit dem Jahr 2022, genau genommen seit dem Fehlen der Basisversorgung per Pipeline, gilt das nicht mehr. Es wurde versucht, das durch staatliche Vorgaben – die wichtigsten Speicher müssten bis zum 1. November zu mindestens 80 Prozent befüllt sein – anzuordnen. Auch auf EU-Ebene wurde versucht, durch eine Rahmenverordnung, die irgendwann zwischen 1. Oktober und 1. Dezember einen Stand von 90 Prozent vorschreibt, eine Speicherfüllung zu erzwingen. Allerdings sind die großen norddeutschen Speicher von SEFE bisher nur zu 23,6 Prozent gefüllt, und auch die 55,55 Prozent, die der größte Speicherbesitzer Uniper erreicht, liegen weit unter dem Füllstand, der in vergangenen Jahren zu diesem Zeitpunkt erreicht wurde.
Allzu sehr auf andere Länder kann man sich in diesem Zusammenhang auch nicht verlassen – ein Viertel der gesamten Gasspeicherkapazitäten in der EU liegt in Deutschland, zum großen Teil als Hinterlassenschaft des Kalten Krieges. Wenn diese Speicher nicht gut genug gefüllt sind, gibt es auch niemanden, der dieses Erdgas ersetzen könnte.
Auch wenn es nicht zu einer Gefährdung der Stabilität der Gasversorgung kommen sollte (an kalten Wintertagen kommen 60 Prozent des verbrauchten Erdgases direkt aus dem Speicher), wirkt sich die Menge des gespeicherten Gases immer auch auf den aktuellen Preis aus, mit dem Erdgas gehandelt wird. Selbst unter der Annahme, dass sich zumindest bis zum Winter die Lage bezogen auf die LNG-Lieferungen aus dem Persischen Golf wieder stabilisiert, droht im kommenden Winter ein weiterer Anstieg der Gaspreise.
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