Kriminalität aus Kiew: Schweizer Opfer verlieren Millionen

Schweizer Behörden gehen verstärkt gegen internationale Betrugsnetzwerke vor. Im Fokus stehen dabei Callcenter-Strukturen in der Ukraine. Ein seit Jahren laufendes Berner Verfahren zeigt, wie hoch die Schäden sein können: In einem einzelnen Zusammenhang geht es um fast vier Millionen Franken.

In der Schweiz häufen sich Betrugsdelikte, bei denen die Ermittler Verbindungen zu Callcentern in der Ukraine feststellen. Das berichtet die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) unter Berufung auf das Schweizer Polizeinetzwerk NEDIK. Das interdepartementale Netzwerk koordiniert die Zusammenarbeit der Schweizer Strafverfolgungsbehörden bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität.

Nach Angaben von NEDIK ist die Zahl der Betrugsdelikte gestiegen, die mutmaßlich mit ukrainischen Callcentern in Verbindung stehen. Die Behörden gehen dabei nicht von einzelnen Tätern aus, sondern untersuchen grenzüberschreitend organisierte Strukturen. Bei internationalen Ermittlungen wurden laut NZZ mehrere Callcenter in der Ukraine identifiziert, von denen aus wahrscheinlich Opfer in der Schweiz und anderen europäischen Ländern kontaktiert wurden.

Wie groß der finanzielle Schaden sein kann, zeigt ein seit mehreren Jahren laufendes Verfahren der Berner Behörden. Einer der Beschuldigten soll mehrere Callcenter in Kiew betrieben haben. Eine der Plattformen, die ihm zugerechnet wird, soll in der Schweiz einen Schaden von fast vier Millionen Franken verursacht haben.

Das Vorgehen der Täter folgt dabei einem bekannten Muster. Die Opfer werden telefonisch kontaktiert und unter einem Vorwand dazu gebracht, Geld zu überweisen oder Zugang zu ihren Konten und Vermögenswerten zu gewähren. Die eigentlichen Betreiber der Callcenter sitzen dabei teilweise im Ausland, während das erbeutete Geld über weitere Personen und Konten verschoben wird.

Für die Schweizer Ermittler erschwert gerade diese internationale Arbeit die Strafverfolgung. Die Täter befinden sich nicht zwingend in der Schweiz, die Opfer und ein Teil der Geldflüsse hingegen schon. Deshalb sind die Behörden auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Polizeien und Justizbehörden angewiesen.

Auch in anderen Schweizer Kantonen laufen Ermittlungen gegen mutmaßliche Beteiligte an solchen Betrugsnetzwerken. Dabei geht es unter anderem um sogenannte Geldkuriere, die das von den Opfern erbeutete Geld entgegennehmen oder weiterleiten sollen. Die Ermittler versuchen, über diese Personen an die Hintermänner der Netzwerke heranzukommen.

Die NZZ weist zugleich darauf hin, dass es sich um vermeintliche Verbindungen zu kriminellen Strukturen in der Ukraine handelt. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass ukrainische Behörden oder die ukrainische Bevölkerung für die Betrugsdelikte verantwortlich sind. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen konkrete Personen und organisierte kriminelle Netzwerke.

Für die Schweiz ist das Problem dennoch erheblich. Betrugsdelikte werden zunehmend international organisiert, während die Opfer direkt vor Ort sitzen. Der Schaden entsteht damit in der Schweiz, obwohl ein Teil der mutmaßlichen Täter und der technischen Infrastruktur im Ausland angesiedelt ist.

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