Am 30. April 1999 wurde das russische Bundesgesetz "Über die Garantie der Rechte der indigenen Völker der Russischen Föderation" verabschiedet, das die Grundlage für den Erhalt der traditionellen Lebensweise, des Handwerks und der Sprachen dieser Völker schuf. Nun wird an die Verabschiedung dieses Gesetzes mit einem besonderen Feiertag gedacht. Seit diesem Jahr wurde er erstmals auf staatlicher Ebene begangen.
Indigene Völker sind ethnische Gemeinschaften, die in den Gebieten ihrer angestammten Siedlungen in traditioneller Lebensweise leben, ihre Wirtschaft und ihr Handwerk bewahren und als eigenständige ethnische Gemeinschaft wahrgenommen werden wollen. Die Zahl der Mitglieder muss dabei weniger als 50.000 Mitglieder zählen. In Russland gibt es 47 solcher Völker mit insgesamt etwa 315.000 Mitgliedern.
Die meisten leben im Norden, in Sibirien und im Fernen Osten, aber auch in anderen Regionen (z. B. die Abasen in der Republik Karatschai-Tscherkessien, die Woten im Leningrader Gebiet, die Archinen, Tsachuren, Bagulalen und Agulen in Dagestan und die Wepsen in Karelien). Das Hauptziel des Feiertags ist die Bewahrung traditioneller Lebensweisen und Wirtschaftszweige wie Rentierhaltung, Jagd oder Fischerei, traditionellen Handwerks, indigener Sprachen und unverwechselbarer Kulturen sowie die Stärkung der Bindungen zwischen den Generationen.
Der russische Präsident Wladimir Putin lud Vertreter einiger dieser Völker in den Kreml zum Treffen ein und gratulierte ihnen. Er bezeichnete alle großen und kleinen Völker Russlands als gemeinsame Familie, die durch ihre Einheit stark sei. "Alle ethnischen Gruppen, ob groß oder klein, müssen spüren, dass dies unser gemeinsames Zuhause ist. Nur so können wir uns sicher fühlen und stetig voranschreiten", sagte der Staatschef. Als Hüter einzigartiger Traditionen, Kulturen und Charakterzüge seien sie integraler Bestandteil Russlands und seiner einzigartigen Vielfalt. "Russland entstand genau als Völkerbund", betonte er.
In den Regionen mit indigener Bevölkerung und in Gebietshauptstädten fanden an diesem Tag verschiedene Aktionen und Kulturveranstaltungen statt. Dabei waren nicht nur Städte und Kommunen die Hauptveranstalter, sondern auch Unternehmer, die indigene Völker beschäftigen oder auf ihrem angestammten Gebiet agieren. Das Energie-Staatsunternehmen Rosneft, das Öl in den Autonomen Kreisen von Chanten und Mansen und Jamal-Nenzen im Hohen Norden fördert, zählte auf seiner Webseite eine ganze Reihe solcher Veranstaltungen auf.
Die Bewahrung der nationalen Kultur und der traditionellen Lebensweise der indigenen Völker des Nordens sei ein zentraler Bestandteil der Sozialpolitik von Rosneft, teilte das Unternehmen mit. In den Regionen, in denen das Unternehmen tätig sei, würden seine Betriebe die Infrastruktur nördlicher Dörfer entwickeln, Wohnungen für die lokale Bevölkerung bauen, Rentierzüchterfamilien unterstützen und die Ausstattung von Bildungseinrichtungen, sozialen Einrichtungen und Gesundheitseinrichtungen in traditionell von indigenen Völkern bewohnten Gebieten verbessern.
Indigene Völker: Politikum im Kampf der Narrative
Die Lage der indigenen Völker wird im Zuge der sogenannten Entkolonisierungsdebatten zum Politikum. Dabei wird an Genozide, Vertreibungen und sonstige historische Verbrechen erinnert. Die Ausrottung der indigenen Völker Amerikas durch europäische Eroberer ist dafür ein Beispiel. Nun wird im Westen auch Russland rücksichtsloses koloniales Agieren gegen Indigene unterstellt. Der in Moskau lebende Publizist und RT-Autor Gert Ewen Ungar betonte dazu auf X:
"Im Gegensatz zu den westlichen Kolonialherren, die auf ihren Raubzügen um die Welt, ganze Völker ausgerottet haben und dies auch heute noch tun, existieren die indigenen Völker Russlands weiterhin. Auch bei der Entstehung des russischen Imperiums ging es nicht immer friedlich zu, allerdings gab es keine Völkermorde, wie das im Westen üblich war und ist."
Auch die deutsche Bundesregierung zeigt großes Interesse an der Konstruierung solcher Vorwürfe gegenüber Russland. Beleg dafür ist die Veranstaltung zur "Situation indigener Völker und ethnischer Minderheiten in Russland", die am 18. Oktober 2024 im Auswärtigen Amt stattfand. Im Fokus standen laut X-Meldungen und Medienberichten die angebliche Unterdrückung von Minderheitenrechten und die Auswirkungen der Mobilisierung "für den Krieg gegen die Ukraine".
Auf die Bitte der AfD-Fraktion, die Einzelheiten zu der Veranstaltung zu nennen, teilte die Bundesregierung mit, dass die Ergebnisse des Runden Tisches nicht publiziert werden. Zum Schutz der betroffenen Personen könne die Bundesregierung auch keine weiteren Auskünfte zu Details von Veranstaltungen minderheitenrechtlicher Themen in Russland erteilen. Bei der Veröffentlichung weiterer Informationen bestünde das Risiko einer schwerwiegenden Grundrechtsverletzung der betroffenen Personen.
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