"Verstehen, wo die wahre Stärke einer Idee liegt" – Zweiter Tag des II. Offenen Dialogs in Moskau

Moskau ist vom 27.–29.04.2026 Schauplatz des II. Offenen Dialogs "Zukunft der Welt. Neue Plattform für Globales Wachstum". Über 100 Essayisten diskutieren Wirtschaft, Demografie, Migration und Hightech. Aus 1.600 Einsendungen ausgewählt, sollen ihre Ideen laut Maxim Oreschkin auch praktisch erprobt werden.

Der II. Offene Dialog "Zukunft der Welt: Neue Plattform für globales Wachstum" findet auf der Moskauer Expo-Plattform Nationales Zentrum "Russland" statt – diese organisiert das Projekt gemeinsam mit dem Zentrum für branchenübergreifende Expertise "Drittes Rom" und mit Unterstützung der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation.

Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin betonte in einer Botschaft an die Teilnehmer, dass der Offene Dialog eine Plattform sei, "auf der interessante und vielversprechende Ideen ihren Weg zur Umsetzung beginnen" – und er gab dazu ein Beispiel:

"Die Ergebnisse Ihrer Diskussionen werden, wie auch im letzten Jahr, im Juni bei dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg aufgegriffen und in dessen Programm aufgenommen."

Sich nicht bloß mit Vorstößen berieseln lassen

Der Offene Dialog fand erstmals im Jahr 2025 statt und läuft nun jährlich. Damals gingen rund 700 Essays aus über 100 Ländern ein – und im Jahr 2026 wurden bereits 1.600 Beiträge von Unternehmern, Forschern, Studenten, Medienvertretern, Regierungsbeamten und Vertretern gemeinnütziger Organisationen aus über 120 Ländern eingesandt.

Maxim Oreschkin, Vize-Leiter der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation und Vize-Vorsitzender des Organisationskomitees des Nationalen Zentrums "Russland", betonte: Jeder Essay versuche, Antworten auf die Fragen nach der künftigen Entwicklung der Welt sowie Ideen als Grundlagen für die nächste Wachstumsphase zu finden. Vorträge von Gedanken und Ideen seien aber nur die halbe Miete – ihre Diskussion sei nicht minder wichtig:

"Wir sollen hier nicht einfach nur die Vorstöße nacheinander anhören – sondern verstehen, wo die wahre Stärke einer Idee liegt, wie neuartig, ausgearbeitet und anwendbar sie ist und welche Partner und Bedingungen für ihre Umsetzung erforderlich sind."

Auch könnten Autoren somit "ihre Ideen in einem Umfeld solider Spezialisten erproben", sich an Fragen abarbeiten und erste Schritte zur praktischen Überprüfung ihrer Annahmen wagen.

Investitionen in Menschen, Technologien, Lebens- und Arbeitsumgebung und Umwelt

Zur Präsenzphase des Wettbewerbs wurden 102 Autoren aus 43 Ländern anhand von Interviews ausgewählt. Die Jury bestand in diesem Jahr auch aus Autoren des vorigen Offenen Dialogs: Diese Kontinuität fördert den Aufbau einer intellektuellen Gemeinschaft.

Am ersten Tag wurden im geschlossenen Format Ideen und Probleme eingeworfen – in Form von Präsentationen. Jury und Autoren stimmten über die fünf besten Essays in jedem Bereich ab: Es geht um Investitionen – in Menschen, in Technologien, in Handels- und Logistikvernetzung sowie in Umwelt, Arbeits- und Lebensumgebungen.

Bei der Eröffnung am zweiten Tag berichtete Maxim Oreschkin zu globalen Wirtschaftstrends – die Welt wechsle derzeit vom unipolaren zu einem multipolaren Aufbau:

"Die Wirtschaftszentren – nicht nur des Wachstums, sondern überhaupt der Aktivität – haben sich in die BRICS-Staaten verlagert: Technologie, Finanzen, Handel – all dies verknüpft sich zunehmend mit den BRICS-Staaten. Die Entwicklung der BRICS-Volkswirtschaften, ihre Vernetzung und die neuen technologischen Lösungen, die in ihnen entstehen werden – all dies prägt die Welt der Zukunft."

Damit werde auch die Souveränität bedeutender, die Oreschkin in drei Ebenen gliedert: staatliche, öffentliche und sozioökonomische. Russland, so Oreschkin, sei "bereit, andere Länder auf ihrem Weg zu wahrer Souveränität zu unterstützen" – denn:

"Nur gemeinschaftliche Entwicklung, bei der alle miteinander teilen, kann eine Welt gestalten, wo jeder jeden respektiert und dessen Souveränität mitträgt. Nur eine solche Welt kann sich nachhaltig entwickeln."

Einen besonderen Schwerpunkt setzte Oreschkin auf künstliche Intelligenz: Allein im Jahr 2025 hätten die Gesamtinvestitionen in generative KI 450 Milliarden US-Dollar überstiegen.

"Fantastische Atmosphäre"

Am 28. April liefen vier Podiumsdiskussionen – die Gewinner stellten ihre Konzepte nun im Detail vor und verteidigten sie. Die Ergebnisse des II. Offenen Dialogs werden am 29. April zusammengefasst; auch trifft Oreschkin dann mit jungen Teilnehmern zusammen und leitet die Abschlusssitzung.

Die Teilnehmer sind begeistert. Francisco Túñez, Forscher aus Argentinien, Halbfinalist im Themenbereich "Investitionen in Vernetzung", ist Mitbegründer des Netzwerks NetX Gen zu nachhaltiger Entwicklung und dezentraler Selbstverwaltung mit dem Ziel des Aufbaus einer umfassenden vernetzten holistischen Zivilisation. 

Ihm zufolge bietet das Forum den Bewohnern des Globalen Südens angesichts der Krise und des Zerfalls der alten Weltordnung "eine tolle Gelegenheit, sich zu vereinen":

"Hier können wir Ideen austauschen und über aktuelle Megatrends diskutieren. Denn unsere Länder haben dieselben Probleme, ob in Afrika, Lateinamerika, Asien oder auch im Westen."

James Low, CEO des Hongkonger Unternehmens für intelligente Stadtplanung Cybertecture, hält einen solchen Dialog ebenfalls für äußerst wichtig:

"Hier teilen wir Ideen und Lösungen – begründet auf unterschiedlichen Erfahrungen, die wir selbst vielleicht nicht vollständig verstehen. Zusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses."

Der Schweizer Journalist und Strategieberater Marco Cassiano hob die "einfach fantastische" Atmosphäre im Nationalen Zentrum "Russland" hervor, wo der Offene Dialog stattfindet:

"Sowohl die hier präsentierten Materialien als auch die Menschen – das ruft vom Gefühl her etwas wach."

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