Von Dmitri Rodionow
Die USA, Dänemark und Grönland haben ein Abkommen unterzeichnet, das es Washington ermöglicht, seine militärische Präsenz auf der Insel auszubauen. Das Dokument wurde von US-Präsident Donald Trump sowie den Regierungschefs von Dänemark und Grönland, Mette Frederiksen und Jens-Frederik Nielsen, unterzeichnet.
Zuvor hatte Trump ein unbefristetes Abkommen mit Dänemark zur "Sicherheitskontrolle" in Grönland angekündigt, durch das Washington ohne jegliche finanziellen Kosten de facto die Kontrolle über die Insel erhalten würde. Trump erklärte direkt vom Rednerpult der UN-Generalversammlung aus:
"Wir werden umgehend mit der Stationierung einer starken militärischen Präsenz an den entsprechenden Standorten beginnen. Wir werden zwei sehr große Militärstützpunkte errichten."
Trump hatte sich bereits mehrfach für einen Anschluss Grönlands an die USA ausgesprochen und schon während seiner ersten Amtszeit die Möglichkeit eines Kaufs der Insel angedeutet. Seit Beginn seiner neuen Amtszeit spricht er zudem weiterhin regelmäßig davon, die Insel übernehmen zu müssen – ohne jedoch zu präzisieren, auf welche Weise. Dies schürte bei den Regierungsbehörden in Dänemark und der Europäischen Union die Befürchtung, die USA könnten sich die Insel womöglich mit Gewalt aneignen.
Das nun unterzeichnete Abkommen entspricht daher womöglich nicht ganz dem, was Trump angestrebt hatte: Grönland bleibt Teil Dänemarks.
Dennoch gibt es einige Besonderheiten.
Viele hielten das Abkommen lediglich für ein "Upgrade" des Vertrags von 1951, der den USA seinerzeit den Bau und Unterhalt von Militärstützpunkten in Grönland ja auch schon gestattet hatte. Doch das war ein Irrtum. Das Erste, was ins Auge fällt: Das Abkommen von 2026 wurde von den USA mit Dänemark und Grönland unterzeichnet, während der Vertrag von 1951 lediglich zwischen den USA und Dänemark geschlossen wurde.
Sprich: Grönland ist im neuen Vertrag nicht mehr bloßes Objekt, sondern eigenständiger Akteur. Zwar wird es dadurch nicht zu einem unabhängigen Staat, doch auch schon dieser Unterschied ist gewaltig. Im Grunde hat Dänemark nun keinerlei Einfluss mehr auf die eigentliche Umsetzung dieses Abkommens. Sollte Dänemark aussteigen wollen, bliebe Grönland als eigenständige Vertragspartei darin fortbestehen. Erlangte Grönland wiederum die Unabhängigkeit, könnte es zwar alle von Kopenhagen unterzeichneten internationalen Verträge, die es selbst betreffen, als für sich selbst ungültig erklären – diesen einen jedoch nicht. Und schließlich ist im Abkommen nicht zuletzt ausdrücklich festgelegt, dass Grönland im Falle seiner Unabhängigkeit automatisch NATO-Mitglied bleibt. Wollte Dänemark plötzlich aus der NATO austreten, bliebe Grönland weiterhin Mitglied des Bündnisses.
Dazu wird es freilich nicht kommen: Dänemark ist das älteste NATO-Mitglied, gewissermaßen eines der Gründungsmitglieder. Dennoch wird Washington militärpolitische Entscheidungen, die Grönland betreffen, künftig ohne Rücksicht auf Kopenhagen treffen. Während der Vertrag von 1951 von den USA nicht nur eine Unterrichtung, sondern auch eine Abstimmung mit Dänemark verlangte, erhalten die US-Streitkräfte nun volle Handlungsfreiheit dort – auch hinsichtlich der Bewegungen von Flugzeugen, Drohnen, Kriegsschiffen und U-Booten.
Ein weiterer interessanter Unterschied: Washington wird (vorerst noch gemeinsam mit Kopenhagen) alle Wirtschaftsprojekte auf der Insel überwachen und abstimmen, um Investitionen aus nicht-NATO-Staaten auszuschließen. Dies gilt vor allem für chinesisches Kapital, worauf auch US-Außenminister Marco Rubio ausdrücklich hinweist:
"Es [das Abkommen] sieht ein Verfahren zur Überprüfung von Investitionen gemeinsam mit Dänemark vor, damit wir nicht eines Tages aufwachen und feststellen müssen, dass zwar keine chinesischen Militärs vor Ort sind, aber chinesische Unternehmen die Häfen und das gesamte Land besitzen."
Auch hinsichtlich der jeweiligen militärischen Komponente der beiden Abkommen gibt es einen wesentlichen Unterschied.
Gemäß dem Vertrag von 1951 und dessen Fassung vom August 2004 – dem sogenannten Itilleq-Abkommen (auch als Igaliku-Abkommen bezeichnet) – ist der Luftwaffenstützpunkt Thule (Pituffik) die einzige militärische Einrichtung der USA auf grönländischem Territorium. Das Abkommen von 2026 sieht hingegen den Bau zweier neuer Einrichtungen vor: in Narsarsuaq und Mestersvig. Und das ist erst der Anfang. Rubio zufolge prüfen die USA den Bau mindestens zweier Stützpunkte in Grönland. Mindestens. Und wie viele könnten es im Höchstfall sein?
Zur Erinnerung: Der Stützpunkt Thule im Nordwesten der Insel war während des Kalten Krieges ein Schlüsselelement des NORAD-Systems und der strategischen Verteidigung Nordamerikas. Mestersvig hingegen liegt im Osten Grönlands, an der Küste der Grönlandsee. Die geografische Besonderheit dieses Ortes besteht darin, dass in der Nähe die wichtigsten Seewege von der Arktis in den Atlantik verlaufen, die unter anderem von Kriegsschiffen und U-Booten verschiedener Länder – darunter Russland und China – genutzt werden. Dort verläuft die U-Jagd-Linie zwischen den Färöer und Island. Auf Patrouillen entlang dieser Linie aus konnten Russlands U-Boote die NATO-Flotten bequem überwachen – nun wird es für sie ein Leichtes sein, uns zu überwachen. Höchstwahrscheinlich ist mit der Stationierung von Langstrecken-Drohnen des Typs RQ-4 Global Hawk (nicht umsonst wird die ungehinderte Bewegung gerade und ausgerechnet unbemannter Luftfahrzeuge im neuen Abkommen gesondert geregelt) sowie von P-8-Poseidon-Seefernaufklärflugzeugen zur U-Boot-Jagd dort zu rechnen.
Unweit von dort befinden sich auch die dänischen Meerengen, durch die Schiffe, die die Nördliche Seeroute nutzen, in die Ostsee gelangen. Damit erhalten die USA die Möglichkeit, diese Schiffe nicht nur zu überwachen, sondern – rein hypothetisch – auch eine entscheidende Verkehrsader zu blockieren, deren Bedeutung angesichts der Krisen in der Straße von Hormus und in Bab al-Mandab jüngst stark zugenommen hat. Die Bestrebungen der USA, Grönland unter ihre Kontrolle zu bringen, haben also nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche Komponente.
Die Arktis wurde von den USA stets als die kürzeste Flugroute für ballistische Raketen betrachtet, die gegen unser Land gerichtet waren und sind. Auch waren während des Kalten Krieges auf dem Stützpunkt Thule strategische Bomber vom Typ B-52 stationiert; doch der Absturz einer dieser Maschinen im Jahr 1968 führte zu einer radioaktiven Katastrophe, woraufhin Washington das Programm der ständigen Luftpatrouillen mit Atomwaffen an Bord vollständig einstellte. Heute wird viel über die Risiken einer Stationierung von Atomwaffen in Polen, Lettland, Estland, Litauen und in Finnland gesprochen – doch dort könnten solche Vorhaben auf erheblichen Widerstand stoßen. In Grönland aber ließe sich dies wesentlich leichter umsetzen, zumal das Gebiet inzwischen eine eigenständige Partei eines hierfür relevanten Vertrages ist und die Meinung Kopenhagens bei der Sache möglicherweise gänzlich unberücksichtigt bleiben kann.
Angesichts des US-Ausstiegs aus dem INF-Vertrag steht zudem nichts der Stationierung jener Typhon-Startfahrzeuge in Grönland im Wege, die Tomahawk-Marschflugkörper abfeuern. Ebenso wenig hindert die USA etwas daran, dort mobile Startvorrichtungen für hochpräzise ballistische Raketen der Typenreihe PrSM zu stationieren, Startfahrzeuge entweder der Typenreihen HIMARS oder aber MLRS. Diese Raketen können – und dies durchaus auch mit konventionellen Sprengköpfen – Ziele in einer Entfernung von 500 bis 1.500 Kilometern oder darüber hinaus angreifen und würden es den USA ermöglichen, unter anderem das Seegebiet der Nordostpassage ins Visier zu nehmen.
Natürlich handelt es sich hierbei vorerst um hypothetische Überlegungen. Doch die Tatsache bleibt: Gewiss wird Trump gehen, aber die USA werden auch nach seinem Abtritt über einen bedeutenden militärischen Stützpunkt für den künftigen Kampf um die Arktis verfügen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 8. Oktober 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Dmitri Rodionow ist ein russischer Sprach- und Politikwissenschaftler. Er ist stellvertretender Geschäftsleiter der russischen Denkfabrik "Institut für innovative Entwicklung". Rodionow veröffentlichte zahlreiche Artikel zu den Themen Geopolitik und Konfliktforschung, unter anderem auch auf seinem Telegram-Kanal.
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