Von Alexej Danckwardt
Bismarck hat gewarnt, wir haben gewarnt: Deutsche Überheblichkeit schadet dem Erfolg und kommt überdies bei niemandem gut an. Auch beim Fußballgott nicht.
Nach dem ohrenbetäubenden Jubel über das höchstpeinliche 7:1 der deutschen Nationalelf gegen das klitzekleine Inselchen Curaçao im Juni hatte man da oben die Nase endgültig voll. Die Deutschen dachten, sie hätten den WM-Titel schon sicher in der Tasche. Wo Bescheidenheit, Bodenhaftung und eine Prise Selbstironie angesagt waren, konnte man vor Selbstherrlichkeit kaum laufen und fühlte sich, als hätte man gerade den Zweiten Weltkrieg gewonnen.
Die Strafe folgte auf dem Fuß: Deutschland flog bei der ersten überhaupt denkbaren Gelegenheit (in der leichtesten Gruppe, seit es Fußball gibt, konnte selbst der Fußballgott nichts ausrichten) aus dem Wettbewerb. Im Elfmeterschießen des Sechzehntelfinales (Sechzehntel, Karl!) zog das himmlische Fußballministerium die Register und Paraguay vollzog das Urteil.
Aber selbst das hat die Deutschen nichts gelehrt: Hochnäsig wie eh und je ging man, Fans wie Spieler, in das Spiel der UEFA Nations League am Sonntag. Der Gegner sei ja nur Griechenland, hieß es allenthalben, kein Grund zur Anstrengung.
Für das, was folgte, gibt es keine andere Erklärung als die, dass hier wieder der Fußballhimmel aus pädagogischen Gründen eingegriffen hat: Joshua Kimmich schoss das einzige Tor des Abends ... Pech nur, dass es das eigene war: 0:1 gegen Griechenland! Erstmals in der Geschichte, zu Hause in Augsburg.
Geht es noch peinlicher, solange die Pitcairn-Inseln keine Nationalelf haben?
Schade ist nur, dass die neueste Lektion ausgerechnet Jürgen Klopp, den neuen Nationaltrainer, treffen musste, der in seiner bisherigen Trainerkarriere ausnahmsweise eher durch Bescheidenheit und Bodenständigkeit aufgefallen war. Aber ein einziger Gerechter kann Sodom und Gomorrha nun mal nicht retten ...
Wie weiter? Nun, hört auf Bastian Schweinsteiger: Ihr seid im Mittelmaß angekommen. Nicht nur im Fußball, und so wird es bleiben. Man kann es auch anders formulieren: Die Welt drumherum ist besser geworden, und das ist gut so.
Lernt endlich, bescheiden zu sein, liebe Deutsche!
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