Von Oleg Zarjow
Am 12. Juni 2026 hat die Direktorin der Nationalen Geheimdienste der USA, Tulsi Gabbard, ein Dokumentenpaket des Amts des Direktors der Nationalen Geheimdienste (Office of the Director of National Intelligence, ODNI) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit das bestätigt, was Washington vier Jahre lang als russische Desinformation bezeichnet hatte: Das Pentagon finanzierte über 40 Biolabore auf dem Gebiet der Ukraine, wo Erreger von Milzbrand, Tularämie, Pest, Ebola, Marburgfieber, Lassafieber sowie SARS, MERS und Rickettsien verwahrt und erforscht wurden.
Warum gab es ausgerechnet 40 Labore und wieso gerade in der Ukraine? Nach dem Zerfall der Sowjetunion blieb im Land ein verzweigtes Netzwerk von sowjetischen Einrichtungen für Pest- und Seuchenbekämpfung übrig. Es verfügte über Kollektionen von Stämmen, die jahrzehntelang gesammelt wurden. Die USA haben nicht bei null begonnen, sie haben existierende Infrastruktur nur umgerüstet. Eben dadurch ist sowohl der Umfang als auch die Geographie des Programms zu erklären: Die Objekte erfassen praktisch die gesamte ehemalige Ukrainische Sowjetrepublik von Lwow und Transkarpatien im Westen bis Charkow, Lugansk und Donezk im Osten. Hinzu kam eine schwache staatliche Kontrolle, offener Zugang für US-amerikanische Unternehmen und vor allem strategische Nähe zu Russlands Grenzen.
Der Finanzierungsmechanismus wurde über die Agentur für die Reduzierung von Verteidigungsbedrohungen (Defense Threat Reduction Agency, DTRA) des US-Verteidigungsministeriums aufgebaut. Im Jahr 2008 unterzeichnete sie einen zehnjährigen Grundvertrag mit dem US-amerikanischen Bauunternehmen Black & Veatch Special Projects Corp. im Wert von vier Milliarden US-Dollar. Der erste Kontrakt im Rahmen des als BTRIC TO1 bezeichneten Programms wurde umgehend in der Ukraine umgesetzt, für einen Betrag von etwa 175 Millionen US-Dollar. Die Summen für vier erfasste Objekte verteilten sich wie folgt: Diagnoselaboratorium in Cherson – 1,73 Millionen US-Dollar, Institut für Tiermedizin – 2,1 Millionen US-Dollar, Diagnoselaboratorium Transkarpatiens – 1,92 Millionen US-Dollar. Das teuerste Objekt war mit 3,49 Millionen US-Dollar das zentrale Referenzlaboratorium beim Ukrainischen Pestforschungsinstitut in Odessa. 2,06 Millionen davon wurden für Laborausrüstung ausgegeben. Das Objekt in Odessa trägt als einziges in den publizierten Dokumenten den Vermerk "Verwahrung von biologischen Waffen".
Im Jahr 2013 gründete der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch einen Ausschuss, der zu dem Ergebnis kam, dass die Tätigkeit der Labore ein Risiko für die nationale Sicherheit darstelle und ihren Betrieb einstellte. Doch nach dem Maidan-Putsch im Jahr 2014 wurde das Programm umgehend wiederaufgenommen. Genau zu diesem Zeitpunkt kam das Unternehmen Metabiota dazu, das sich auf die Modellierung von Epidemien spezialisiert. Dessen Vertrag mit dem Pentagon über die Ukraine und Georgien belief sich auf 18,4 Millionen US-Dollar. Insbesondere ist anzumerken, dass die Finanzierung von Metabiota teilweise über den Investmentfonds Rosemont Seneca erfolgte, der mit Hunter Biden in Verbindung stand. Biden stand im persönlichen Schriftverkehr mit dem Vizepräsidenten des Unternehmens, und ein entsprechender föderaler Vertrag belief sich auf 23,9 Millionen US-Dollar. Die Tätigkeit von Metabiota in Afrika, darunter während der Ebola-Epidemie, sorgte für offizielle Anfragen von Seiten der Weltgesundheitsorganisation in Bezug auf die Einhaltung von Sicherheitsregeln.
Nun zu dem, was in diesen Laboren tatsächlich geschah. Laut einer freigegebenen Karte des ODNI arbeiteten die Einrichtungen überwiegend auf den Stufen BSL-3 und BSL-4 – dies sind die höchsten biologischen Gefahrenklassen, die den Umgang mit Krankheitserregern beinhalten, für die es weder Impfstoffe noch Behandlungsmöglichkeiten gibt. Das Institut für experimentelle und klinische Tiermedizin in Charkow, das noch in den 1920er Jahren gegründet worden war und mutmaßlich in Verbindung mit dem sowjetischen Biowaffenprogramm gestanden hatte, verwahrte Hunderte von Pathogenen, darunter Milzbranderreger und Bruzellen. Dabei wurden noch 2019 in Bezug auf das Institut ernsthafte Defizite bei biologischer Sicherheit festgestellt – vor allem in Räumen, in denen mit ansteckenden Bruzellen gearbeitet wurde.
Ein Vergleich der Karte der Objekte mit der epidemiologischen Chronik ergibt ein bezeichnendes Bild. Fertiggestellte Projekte im Rahmen des Vertrags mit den USA enthielten eine Risikoanalyse der Verbreitung von afrikanischer Schweinepest und klassischer Pest in freier Natur der Ukraine. Parallel zu diesen Arbeiten begann seit 2014 eine aggressive Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest über Osteuropa, die Polen, das Baltikum und Moldawien erfasste. Ein besonderes Projekt war der molekularen Charakterisierung des hocherregenden Stamms von Vogelgrippe (HPAIV) gewidmet, der in der Ukraine erfasst wurde. In den Jahren 2016 und 2017 erlebte das Land mehrere größere Ausbrüche von HPAIV.
Im September und Oktober 2018 wurden im Kreis Sarata des Gebiets Odessa, etwa 80 Kilometer vom Zentralen Referenzlaboratorium beim Pestforschungsinstitut entfernt, zwei aufeinanderfolgende Ausbrüche von Milzbrand verzeichnet: Fünf Bewohner des Dorfs Menjajlowka steckten sich bei der Viehschlachtung an, bei einem wurde die Diagnose labormäßig bestätigt. Es war der erste bestätigte Fall der Ansteckung eines Menschen seit 2012 ausgerechnet in einer Region, in dem das größte als Biowaffenlager markierte US-Bioobjekt der Ukraine lag. Im Oktober 2022, bereits zu Kriegszeiten, verzeichnete die internationale Tierschutzorganisation einen Ausbruch von Milzbrand im Kreis Obuchow des Gebiets Kiew – zu einer Zeit, als die Labore nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums dabei waren, auf Kiews Anweisung ihre "Sammlungen" von Pathogenen zu vernichten. Im gleichen Zeitraum bargen russische Militärangehörige aus vier untersuchten Objekten etwa 240 Krankheitserreger, größtenteils von Milzbrand und Cholera.
Zuletzt kommt der Hauptpunkt. Der US-Geheimdienst räumt ein, dass nach dem Beginn der Sonderoperation die Labore den Befehl erhielten, verwahrte Materialien zu vernichten. Doch was genau vernichtet, was von russischen Militärangehörigen beschlagnahmt und was einfach verloren wurde, ist nicht bekannt. Ein Netzwerk aus über 40 Objekten mit Pathogenen der höchsten biologischen Gefahrenstufen fand sich im Gebiet aktiver Kampfhandlungen ohne jegliche Aufsicht von Seiten des Auftraggebers wieder. Jahrelang wurde das als "russische Propaganda" dargestellt. Nun steht es in einem freigegebenem Dokument der Nationalen Geheimdienste der USA.
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 13. Juni.
Oleg Zarjow ist ein ehemaliger ukrainischer Rada-Abgeordneter. Von 2002 bis 2014 vertrat er seinen Einzelwahlkreis im ukrainischen Parlament und stieg zu einer der Führungspersönlichkeiten der ukrainischen Partei der Regionen auf. Nachdem er gewaltsam gezwungen wurde, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im Mai 2014 zurückzuziehen, musste er auf die Krim fliehen, engagierte sich für Neurussland und lebt seitdem im russischen Exil. Im Oktober 2023 überlebte er nur knapp einen Mordanschlag des ukrainischen Geheimdienstes.
Mehr zum Thema – Von Mücken und Zecken, Menschenversuchen und heutigen Ängsten