Anti-Tagi: Sport will die besten Spieler auf dem Eis, Leitmedien den Ausschluss der Russen

Eishockey lebt vom Wettbewerb der Besten. Doch statt sich über die Rückkehr Russlands zu freuen, empören sich deutsche und Schweizer Leitmedien über die Aussicht, russische Spieler wieder auf dem Eis zu sehen.

Von Hans-Ueli Läppli

"Feiglinge spielen kein Eishockey!"

So lautet eine berühmte Zeile aus einem russischen Lied.

In Russland muss man niemandem erklären, was damit gemeint ist. Eishockey gehört dort zur nationalen Sportkultur. Kinder stehen schon früh auf dem Eis, spielen in Vereinen und träumen davon, eines Tages zu den Besten zu gehören.

In Deutschland und Frankreich verbringen viele Jugendliche ihre Freizeit dagegen vor TikTok. Aus manchen Städten kommen Schlagzeilen über geplünderte Geschäfte, brennende Straßen und gewalttätige Ausschreitungen. Doch wenn russische Eishockeyspieler wieder international antreten dürfen, ist die Empörung in den Redaktionen groß. Kaum macht der Internationale Sportgerichtshof CAS den Weg für ihre Rückkehr frei, wird aus einer sportlichen Entscheidung ein politischer Skandal.

Der Deutsche Eishockey-Bund stellt die Austragung der Weltmeisterschaft 2027 infrage. Sponsoren drohen mit Rückzug, Politiker fordern Visa-Beschränkungen und mehrere europäische Verbände liebäugeln mit einem Boykott.

Die deutschen Medien berichten über eine drohende Katastrophe. Dabei geht es um eine ziemlich einfache Sache: Eishockeyspieler wollen gegen die besten Mannschaften der Welt antreten.

Eine Weltmeisterschaft soll die stärksten Nationen zusammenbringen. Und Russland gehört zu den erfolgreichsten Eishockey-Ländern überhaupt.

Die russische Nationalmannschaft hat eine lange Tradition, Weltklasse-Spieler hervorgebracht und gehört sportlich auf diese Bühne.

Nach dieser Logik könnte man auch Liechtenstein gegen Andorra um den Weltmeistertitel spielen lassen und sich anschließend über die Qualität des Turniers freuen. Hauptsache, die politische Gesinnung stimmt. Dass Millionen Eishockeyfans lieber die besten Spieler gegeneinander sehen wollen, scheint in den Redaktionen kaum jemanden zu interessieren.

Auf dem Spielfeld stehen Athleten, keine Politiker. Sie wollen trainieren, antreten und sich mit den Besten messen. Ihr Pass sollte dabei keine Rolle spielen. Wer Sportler aufgrund ihrer Nationalität ausschließt, macht den Sport zum Instrument der Politik.

Was soll eine Weltmeisterschaft wert sein, wenn man ausgerechnet eine der stärksten Mannschaften der Welt ausschließt?

Der CAS hat die bisherige Sperre für die Saison 2026/27 aufgehoben, weil die vorgebrachten Sicherheitsargumente den pauschalen Ausschluss nicht ausreichend rechtfertigten. Statt diese Entscheidung als Chance für den internationalen Sport zu betrachten, suchen deutsche Funktionäre und Politiker bereits nach Wegen, die Rückkehr zu verhindern.

Mehr zum Thema – Russlands Eishockey-Teams dürfen zurückkehren – Weltverband enttäuscht, Nationalverbände dagegen