Bertelsmann-Umfrage: Mehrheit der EU-Bürger lehnt beschleunigten Beitritt der Ukraine ab

Die Bertelsmann-Stiftung resümiert im Rahmen einer aktuellen Umfrage, dass die Bemühungen Kiews in der Verteidigung des eigenen Landes "als auch der Sicherheit und Freiheit Europas" laut dem Ergebnis keine Unterstützung der EU-Bürger für einen baldigen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union erfahren.

Die in Deutschland ansässige Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte am 13. Oktober ihre neueste Studie, in der die aktuelle Stimmung der Bürger innerhalb der Europäischen Union zum Thema Ukraine-Solidarität erfragt wurde. Die Studie wurde im Juni dieses Jahres mithilfe des Meinungsforschungsinstruments "Eupinions" der Stiftung durchgeführt und umfasste laut Veröffentlichung "16.795 Befragte aus allen EU-Mitgliedstaaten sowie 2.153 Befragte aus der Ukraine".

In der 19-seitigen Auswertung wird zusammenfassend erklärt, dass die Befragungen einen "anhaltenden Rückgang" der Zustimmung zu einem beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine ergeben haben. Zum ersten Mal seit Beginn der diesbezüglichen Erhebungen durch das Meinungsforschungsinstitut sei sie zudem "unter 50 Prozent" gefallen.

Im März 2022 war die Zustimmung für einen schnellen Beitritt der Ukraine zur EU noch überwältigend: Europaweit stimmten knapp zwei Drittel der Befragten dafür, in Deutschland waren es 60 Prozent der Teilnehmer. Im Laufe der Jahre ging die Zustimmung jedoch zurück und liegt nun bei insgesamt 53 Prozent Ablehnung (Deutschland: 59 Prozent). Im Gegensatz dazu wünschen sich fünf von sechs Ukrainern (83 Prozent), dass ihr Land zeitnah der EU angehören soll.

Laut den Auswertungen würden nur 36 Prozent der Befragten in der EU davon ausgehen, dass ein Beitritt der Ukraine "mehr wirtschaftliche Chancen eröffnen" würde, während 74 Prozent der Ukrainer dieser Ansicht sind.

Rund 38 Prozent der EU-Bürger erklärten sich demnach weiterhin bereit, im Interesse eines Beitritts der Ukraine "kurzfristige wirtschaftliche Einbußen" für ihre Länder in Kauf zu nehmen; 67 Prozent der Ukrainer gaben an, dass sie Entbehrungen hinnehmen würden, um der Union beizutreten.

So äußerten sich die Befragten in Deutschland, Frankreich und Polen
besonders besorgt über wirtschaftliche Herausforderungen (68 bzw. 69 Prozent), gefolgt von den Teilnehmern in Rumänien (66 Prozent). Die niederländischen Befragten waren demgegenüber vergleichsweise weniger skeptisch (56 Prozent), obwohl die Agrarwirtschaft einen großen Teil der Wirtschaft des Landes ausmacht und laut Bertelsmann-Darlegung in der Studie "die Niederlande wahrscheinlich mit neuer Konkurrenz konfrontiert wären, sollte die Ukraine der EU beitreten".

Ein EU-Beitritt der Ukraine ist dabei seit Jahrzehnten ein zentrales Thema für prowestliche ukrainische Politiker und diesbezügliche Unterstützer aus dem NATO‑Umfeld. Nach der Eskalation des Kriegskonflikts mit Russland gewann der Prozess an Dynamik. Gleichzeitig zeigten die zurückliegenden Jahre jedoch eine auffällige Zurückhaltung Brüssels, Kiew in letzter Konsequenz Ausnahmeregelungen zu gewähren, um den Beitritt zu erleichtern.

Eine weitere Grafik präsentierte die Ergebnisse zu der Frage: "Wer leistet den größeren Beitrag zum Schutz der EU vor russischer Aggression?" Von den Studienteilnehmern nehmen 29 Prozent die EU und ihre Mitgliedstaaten als mehrheitlich Leistende wahr und nur 16 Prozent die Ukraine. 32 Prozent gaben "Keiner von beiden" als Wahrnehmung an.

Demgegenüber empfinden 58 Prozent der ukrainischen Befragten, dass ihr Land mehr zu dem demnach notwendigen "Schutz" vor Russland beiträgt, und nur elf Prozent der Ukrainer sehen dies bei den EU‑Mitgliedsstaaten.

Anfang dieses Monats lehnte die EU in Brüssel die unmissverständliche Forderung des ukrainischen Staatschefs Selenskij ab, die Ukraine bis spätestens Januar 2027 aufzunehmen. Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos erklärte zu der Erwartung in Kiew, dass dieser Zeitrahmen "nicht realisierbar" sei, da das Land zuvor alle Voraussetzungen für eine "leistungsorientierte" Mitgliedschaft erfüllen müsse.

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