Das amtierende Kabinett unter Giorgia Meloni hat in Italien die Wiederaufnahme des Programms zur Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie gebilligt und damit das Moratorium aufgehoben, das fast 40 Jahre lang im Land gegolten hatte. Eine schnelle Rückkehr des Landes in den "Atomclub" ist jedoch nicht zu erwarten, meinen Experten. Denn während die Italiener die technischen Herausforderungen mithilfe ausländischer Partner bewältigen können, könnten finanzielle und politische Fragen für Rom zu einem unüberwindbaren Hindernis bei der Rückkehr zu seinem früheren Status als Atomkraftnation werden. Die Zeitung Iswestija erinnert daran:
"Die italienische Atomenergie war eine der ersten in Westeuropa, die sich etablierte. Ende der 1980er Jahre wiesen die vier Kernkraftwerke des Landes eine recht hohe Stromerzeugung auf, doch sie wurden 1990 unter dem Einfluss der Tragödie von Tschernobyl praktisch schlagartig stillgelegt. Ein nationales Referendum wurde fast unverzüglich nach der Katastrophe, im Jahr 1987, abgehalten, und das Programm der Atomkraftgegner setzte sich dank einer emotionalen Reaktion überzeugend durch. Seitdem gab es gewisse Versuche, den Sektor wiederzubeleben, insbesondere in den 2000er Jahren, doch der Unfall von Fukushima machte diesen Plänen ein Ende."
Dabei ist es gerade Italien, das in Europa am dringendsten seine Kernkraftwerke benötigt – schließlich verfügt dieses Land über keinerlei fossile Brennstoffe, erneuerbare Energien werden im Vergleich zu den nordeuropäischen Ländern nur sehr schwach ausgebaut, und auch das Potenzial der Wasserkraft ist äußerst begrenzt.
Und nun kommt es zu einer historischen Wende. Zu dieser hat zweifellos die anhaltende Energiekrise beigetragen, die kein Ende zu nehmen scheint. Dabei verfügt Italien weder über die finanziellen Mittel noch über das Fachwissen für den Bau riesiger Kernkraftwerke, und es ist auch nicht absehbar, dass sich dies ändern wird. Deshalb hat die Regierung Meloni offiziell auf kleine modulare Reaktoren gesetzt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, energieintensive Industriecluster im Norden des Landes (Stahl-, Chemie- und Keramikindustrie) zu versorgen, die unter den hohen Strompreisen zu leiden haben.
Experten sind der Ansicht, dass Italien vor allem davon profitieren wird, dass seine Industrie ihre Kompetenzen im Nuklearbereich auf hohem internationalem Niveau bewahrt hat. Nach dem Jahr 1987 hat sich die nationale Wirtschaft nicht aus der Branche zurückgezogen, sondern lediglich auf den Export und verwandte Hochtechnologiesektoren umorientiert. Dennoch liegt der realistische Zeitrahmen für die Inbetriebnahme der ersten Generation in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre. Dies kann jedoch nur dann Realität werden, wenn sich das finanzielle und politische Puzzle zusammenfügt – wenn private Investitionen in die Kernenergie fließen und innenpolitische Kräfte den Prozess nicht allzu aktiv behindern. Trotz alledem ist der Schritt der Regierung Meloni an sich schon sensationell – er ist ein weiterer Beweis für die unaufhaltsame Renaissance der Kernenergie in Europa.
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